Anerkennungsstelle für Saat- und Pflanzgut

Pflanzkartoffelanmeldung 2026

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Vermehrungsfläche in Niedersachsen wächst weiter

Die Pflanzkartoffelvermehrung in Niedersachsen setzt ihren Aufwärtstrend fort: Für das Jahr 2026 wurden insgesamt 8.587 Hektar zur Anerkennung angemeldet. Damit wächst die Vermehrungsfläche gegenüber dem Vorjahr um 395 Hektar bzw. 4,8 Prozent und erreicht damit einen neuen Höchststand.

Saubere Trennung verschiedener Pflanzkartoffel-Sorten im Feld
Saubere Trennung verschiedener Pflanzkartoffel-Sorten im FeldEric Preuß
Die Anmeldungen verliefen in diesem Jahr ungewöhnlich schleppend. Ursache waren die Witterungsbedingungen, die in einigen Regionen zu einer verspäteten Pflanzung führten. Selbst zum gesetzlich festgelegten Anmeldeschluss am 15. Mai standen noch zahlreiche Vermehrungsvorhaben aus. Dennoch konnte am Ende ein deutlicher Flächenzuwachs verzeichnet werden.

In Niedersachsen sind in diesem Jahr insgesamt 8.587 ha Pflanzkartoffeln zur Vermehrung angemeldet. Damit ist die Vermehrungsfläche um 395 ha bzw. 4,8 % gegenüber dem Vorjahr mit 8.191 ha angestiegen.

Demnach werden in Niedersachsen 257 Sorten der in Deutschland insgesamt 546 zugelassenen Pflanzkartoffel-Sorten vermehrt. Trotz dieser beeindruckenden Vielfalt konzentriert sich mehr als ein Viertel (26,2 %) der gesamten Vermehrungsfläche auf lediglich neun besonders bedeutende Sorten. 76 Sorten werden in sehr geringem Umfang vermehrt: 42 Sorten mit nur einem einzigen sowie weitere 34 Sorten mit nur zwei Vermehrungsvorhaben.

Vermehrung von Pflanzkartoffeln findet in hochspezialisierten Betrieben statt. In diesem Jahr vermehren 360 Betriebe Pflanzkartoffeln. Dabei baut jeder Vermehrer durchschnittlich - über alle Stufen hinweg – 23,9 ha und 10,6 Vermehrungsvorhaben Pflanzkartoffeln an. Betreut werden die Vermehrer durch die Vertriebsfirmen wie z.B. Genossenschaften oder Landhandelsfirmen; aber auch durch Züchter, welche sich als Vertriebsfirma haben registrieren lassen. Insgesamt handelt es sich um 31 kleine und große Firmen, die Pflanzkartoffeln angemeldet haben, um sie später zu handeln.

Nach 17 Jahren an der Spitze gibt die frühe Speisesorte Belana erstmals ihre Führungsposition ab. Neue Nummer eins ist die mittelspäte Speisesorte Jelly, die mit 319,4 ha (3,72 % der Fläche) knapp vor Belana mit 318,9 ha (3,71 % der Fläche) liegt. Die Plätze 3 und 4 belegen, wie im Vorjahr, die mittelfrühe Salatspeisesorte Bernina mit 307 ha (3,6 %) und die sehr frühe Speisesorte Corinna mit 247,4 ha (2,8 %). In der Tabelle, siehe angefügte Datei, sind die 135 Sorten mit einer (in 2026 vorläufigen) Vermehrungsfläche von 10 ha oder mehr namentlich genannt; zum Vergleich sind die Flächen dieser Sorten der beiden Vorjahre dargestellt. Auf diese 135 Sorten entfallen 8.128 ha bzw. 94,7 % der Vermehrungsfläche. Alle anderen Sorten sind bei jeder Reife- und Sortengruppe jeweils unter „Andere Sorten“ zusammengefasst. Die Vermehrungen von noch nicht zugelassenen Sorten („Stämme“) in kleinen Einheiten in Gewächshäusern bzw. Tunneln oder in Freilandparzellen kommen noch hinzu. Bei den in Niedersachsen vermehrten 259 Sorten handelt es sich nur noch bei 155 Sorten um national geprüfte Sorten; hier existiert noch die klassische Einteilung in Reife- und Sortengruppen.

Blattrollvirus beginnt immer in der unteren Blatt-Etage
Blattrollvirus beginnt immer in der unteren Blatt-EtageMarcel Heinrich
Die anderen 104 Sorten sind so genannte EU-Sorten, auf die eine immer größer werdende Vermehrungsfläche entfällt, mittlerweile mit 3.702 ha also 43,1 %. EU-Sorten wurden ursprünglich in einem anderen Mitgliedsstaat der Europäischen Union zugelassen und sie sind daraufhin ohne weitere Prüfung auch in Deutschland zugelassen. In Deutschland sind bei Kartoffeln inzwischen auch 7 Erhaltungssorten gelistet; hier geht es um alte Pflanzensorten, bei denen der Gesetzgeber seinerzeit vor 17 Jahren davon ausgegangen ist, dass diese zur biologischen Vielfalt beitrügen. Die Praxis sieht anders aus: in Deutschland findet seitdem lediglich eine marginale Vermehrung von Erhaltungssorten statt; in 2026 sind in Niedersachsen, wie auch schon in den Vorjahren, mittlerweile gar keine dieser Sorten für die Anerkennung angemeldet.

Dieses breit gefächerte Sortenspektrum stellt für Vermehrer, Vertriebsfirmen, Züchter und die Anerkennungsstelle fachlich, logistisch und administrativ eine große Herausforderung dar. Die Grundlage bildet die Arbeit der Vermehrer, die die Bestände hegen und pflegen, denn trotz aller Technisierung ist der versierte menschliche Einsatz mit Auge und Hand unverzichtbar. Zur Schulung von Mitarbeitern von Vermehrungsbetrieben, die die Bereinigung bei Pflanzkartoffeln durchführen, aber auch von Mitarbeitern von Züchtern und Vertriebsfirmen, wurden von der Anerkennungsstelle auch in diesem Jahr wieder Schulungen angeboten. Am 10. und 11. Juni 2026 fand zum wiederholten Mal der Selekteur-Lehrgang der Anerkennungsstelle auf dem Versuchsfeld der Bezirksstelle Uelzen in Suderburg statt, mit einer Rekordbeteiligung von 76 Teilnehmern. In zahlreichen Kleinstgruppen wurden Interessierte intensiv in Parzellen von weit mehr als 100 Kartoffelsorten und dem umfangreichen Nachkontrollanbau geschult. Neben der Sortenansprache lag ein Schwerpunkt auf dem Erkennen von Krankheiten, hier besonders Virus und Schwarzbeinigkeit sowie die Unterscheidung zu den Symptomen anderer Ursachen. Abermals konnte eine weiter steigende große Nachfrage, zunehmend auch aus anderen Bundesländern, verzeichnet werden.

Pflanzkartoffeln der vermehrten Sorten werden in den einzelnen Kategorien (Vorstufen-, Basis- und Zertifiziertes Pflanzgut) und Klassen (V/PB und V/PBTC bzw. B/S, B/SE und B/E bzw. Z/A und Z/B) in verschiedenen Anteilen zur Anerkennung angemeldet. Die 3.832 in Niedersachsen angemeldeten Vermehrungsvorhaben (zum Vergleich im Vorjahr: 3.614 Vorhaben) teilen sich folgendermaßen auf. Zur Produktion von Basispflanzgut sind 2.169 Schläge entsprechend 4.850 ha bzw. 56,5 % der Gesamtfläche vorgesehen. Des Weiteren ist für 557 Vermehrungsvorhaben eine Einstufung als Vorstufenpflanzgut der Klassen PBTC oder PB, mit einer Fläche von 672 ha bzw. 7,8 % beantragt. Die Vermehrung von Vorstufen- und Basispflanzgut – d. h. der hohen Stufen – beträgt 64,3 % der gesamten Vermehrungsfläche. Zur Erzeugung Zertifizierten Pflanzgutes sind 1.106 Schläge entsprechend 3.064 ha bzw. 35,7 % angemeldet. Der Anteil der Vermehrungen von Zertifiziertem Pflanzgut zu abermals Zertifiziertem Pflanzgut findet auf 166 Schlägen entsprechend 482 ha statt. Die Vermehrung innerhalb der Kategorie Z (bis 2015 die ehemalige „Z2-Vermehrung“) ist bei Kartoffeln nur möglich, wenn sie in demselben landwirtschaftlichen Betrieb erfolgt, der im Vorjahr das Z-Ausgangsmaterial erzeugt hat und es keine qualitative Abstufung zu Z/B gegeben hat. Sie ist produktionstechnisch und wirtschaftlich aber nur bedingt sinnvoll. Ein Anstieg kann hierbei häufig in Jahren mit schlechter Pflanzgutverfügbarkeit und Mangel an Basis-Pflanzgut für die Z-Vermehrung beobachtet werden.

Die Vermehrung von ökologisch angebauten Pflanzkartoffeln ist leicht zurückgegangen. Sie findet laut den Angaben der Anmelder auf 395 ha entsprechend 4,6 % der gesamten Vermehrungsfläche statt. Im Vorjahr waren es 466 ha (5,7 %). Ökologisch und konventionell erzeugte Pflanzkartoffeln unterliegen natürlich denselben Anforderungen der Pflanzkartoffelverordnung.

Dieselbe Kartoffelsorte in zwei verschiedenen Kategorien bzw. Klassen kann ein Vermehrer produzieren, wenn er die saubere Trennung der Stufen gewährleisten kann - vom Pflanzen übers Roden und Lagern bis zur Aufbereitung und Verladung. Konsumkartoffeln von derselben Sorte, die auch in einem Betrieb vermehrt wird, existieren in 537 Fällen und damit bei 14 % der Vermehrungsvorhaben.

Stark ausgeprägtes Blattrollvirus
Stark ausgeprägtes BlattrollvirusMarcel Heinrich
Die Produktion von Pflanzkartoffeln erfordert ein besonders hohes Maß an Feldhygiene. So dürfen auf dem Vorgewende Kartoffeln nur ausnahmsweise angebaut werden: auf einem Teil der zur Vermehrung angemeldeten Flächen existieren so genannte vorgelagerte Schlagteile, die jeweils Bestandteil des betreffenden Vermehrungsvorhabens sind. Hier ist ein mindestens 3 m breiter, von Streubewuchs mit Kartoffeln freier Trennstreifen unbedingt einzuhalten. Der Feldbesichtiger kontrolliert während der Wachstumsphase der Kartoffeln auch, ob Kartoffeldämme auf Vermehrungsschlägen überfahren worden sind. Wurde ein Damm überfahren, müssen die betroffenen Kartoffeln, aus phytosanitären Gründen, aus dem Boden entfernt werden. Zur Erleichterung des Einfahrens in die Fahrspuren hat sich die Anlage von „Einfahr-Trichtern“ bewährt: hier werden die Stauden links und rechts neben der Fahrspur auf einigen Metern entfernt.

Neben viruskranken Pflanzen wurden von den Feldbesichtigern in den letzten Jahren auch immer mehr schwarzbeinige Pflanzen in den Vermehrungsvorhaben vorgefunden, was häufig zu Aberkennungen führte. Dieser bakterielle Krankheitserreger wird besonders bei Nässe verbreitet und ist später auch latent in den Knollen anerkannter Pflanzkartoffelpartien vorhanden. Dieses zeigt sich dann bei ausgepflanzten Vorstufen- und Basis-Partien in der weiteren Vermehrung im nächsten Jahr.

Neben dem Y-Virus ist das Blattrollvirus weiter auf dem Vormarsch.

Dieses zeigte sich bereits in der angelaufenen 1. Feldbesichtigung. In diesem Jahr erstmalig wird das Blattrollvirus getrennt von allen anderen Viren in der Feldbesichtigung erfasst. Die Einstufung erfolgt aber weiterhin über die Summe alle Viren.