Anerkennungsstelle für Saat- und Pflanzgut

Hohe Virusaberkennungsrate bei Pflanzkartoffeln in Niedersachsen

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Die Virustestung der Pflanzkartoffeln ist so gut wie abgeschlossen. Nur noch wenige Vermehrungsvorhaben von zumeist hohen Stufen warten auf ihr Virusergebnis. 19,7 % der 2025 mit Erfolg feldbesichtigten Pflanzkartoffelvermehrungsfläche wurde im Virustest aberkannt. Damit liegt der Wert sogar über dem des letzten „Viruskrisenjahres“ 2008 mit dem sehr hohen Wert von 16,7 %. Zudem mussten 31,6 % des als Vorstufe oder Basis vorgesehenen Pflanzguts zu Zertifiziertem Pflanzgut abgestuft werden. Die Ergebnisse von den zahlreich beantragten Wiederholungstesten stehen größtenteils noch aus und könnten nur noch für leichte Verbesserung sorgen.

Junge Pflanzkartoffelstaude mit Virussymptomen
Junge Pflanzkartoffelstaude mit VirussymptomenEric Preuß
Viele Blattläuse während der Feldbesichtigung

Bei der mindestens zweimaligen Bonitur durch den Feldbesichtiger spielen dabei weder das Ausmaß der Krankheitssymptome noch die Art des Virus eine Rolle. Es handelt sich hierbei um Sekundärinfektionen, also Infektionen aus der Mutterknolle. Primärinfektionen, die aus Virusübertragung durch Blattlausstiche im Frühjahr resultieren, werden normalerweise erst in der Virustestung im Labor gefunden. Bei sehr frühen Infektionen und bei starkem Virusdruck kommt es in einzelnen Jahren zu einer noch im Feld im Juli erkennbaren Symptomausprägung. Primär- und Sekundärinfektionen lassen sich im Feld durch visuelle Ansprache eindeutig voneinander unterscheiden.

Um eine weitere Verbreitung von Virus über Blattläuse im Bestand zu verhindern ist immer auch, neben der Blattlausbekämpfung, eine gute Selektion von viruskranken Pflanzen als Infektionsquelle erforderlich. Dazu bietet die Anerkennungsstelle der LWK Niedersachsen jedes Jahr, abwechselnd auf den Versuchsfeldern der Bezirksstellen Uelzen und Bremervörde, einen praktischen Selekteur-Lehrgang an. Hier wird in Kleinstgruppen die Ansprache von allen in der Feldbesichtigung relevanten Parametern praktisch demonstriert und geübt. Aufgrund der wiederkehrend hohen Nachfrage fand dieser Lehrgang im letzten Jahr wiederholt an mehr als 2 Terminen statt.

Bei 24,4 % aller Vermehrungsvorhaben wurden in der 1. Feldbesichtigung Blattläuse gefunden. In der 2. Feldbesichtigung waren 17,5 % aller Vermehrungsvorhaben nicht blattlausfrei. Damit lagen diese Werte weit über denen der Vorjahre. Wobei rückblickend betrachtet schon die Anzahl der Vermehrungsvorhaben in den Jahren 2024 - 2022, welche nicht blattlausfrei waren, weit über der der davorliegenden Jahre lag. Besonders der Frühjahrsflug der Blattläuse stellt eine hohe Gefahr der Virusübertragung dar. Die jungen Kartoffelpflanzen befinden sich zu dieser Zeit in einer Phase mit enormer Massenzunahme an jungem, eiweißreichem Gewebe und sind für die Blattläuse dadurch besonders attraktiv. Das alleinige Vorhandensein von Blattläusen sagt aber noch nichts über die Gefahr der Virusübertragung aus. Neben der Anzahl der Blattläuse und der Aufenthaltsdauer der Blattläuse im Bestand ist auch die Anzahl an viruskranken Pflanzen als Infektionsquelle ausschlaggebend. Auch die Virusanfälligkeit der Sorte ist dabei entscheidend.

Zurückgebliebene Pflanzkartoffelstaude mit Virussymptomen
Zurückgebliebene Pflanzkartoffelstaude mit VirussymptomenEric Preuß
Die hauptsächlich für kranke Pflanzen verantwortlichen Viren sind das Y-Virus und das Blattrollvirus. Beim Y-Virus handelt es sich um ein nicht persistentes Virus, welches bereits bei Probestichen auch nicht auf Kartoffeln siedelnder Blattläuse übertragen wird. Dagegen ist das Blattrollvirus ein persistentes Virus. Sowohl für die Auf- als auch für die Abgabe des Blattrollvirus ist ein mehrminütiger Saugprozess der Blattlaus erforderlich. Nach der Aufnahme benötigt die Blattlaus 1 - 3 Tage, bis sich das Virus soweit vermehrt hat, dass die Blattlaus infektiös ist. Anders als beim Y-Virus reicht ein kurzer Probestich für die Auf- oder Abgabe des Blattrollvirus nicht aus.

 

Ergebnisse Virustestung

Seit 2018 erfolgt die Virustestung im amtlichen Anerkennungsverfahren bei allen Kategorien/Klassen in Niedersachsen flächendeckend mit dem qPCR-Verfahren (Real-time Polymerase chain reaction). Hierbei erfolgt die Untersuchung direkt am Knollenextrakt. Eine zeit- und arbeitsaufwendige Anzucht von Augenstecklingen im Gewächshaus, wie bis 2017 für eine visuelle Bonitur bzw. den ELISA-Test, ist nicht mehr erforderlich. Getestet wird auf Blattroll-, Y-, S-, M-, A- und X-Virus.

Die Feldbesichtigung 2025 in Niedersachsen erfolgreich abgeschlossen hatten 4.711 ha in der Kategorie Vorstufen- bzw. Basispflanzgut und 3.288 ha als Zertifiziertes Pflanzgut (Tabelle 1). Aufgrund der nachfolgenden Testung wurden insgesamt 1.576 ha entsprechend 19,7 % wegen zu hohen Virusbesatzes aberkannt. Üblicherweise liegt die Virus-Aberkennungsquote in Niedersachsen bei 4 % bis 6 %. Damit liegt der Wert sogar über dem des letzten Viruskrisenjahres mit dem sehr hohen Wert von 16,7 % im Jahr 2008. Weitere zur Erzeugung von Vorstufen- oder Basispflanzgut vorgesehene 1.489 ha entsprechend 31,6 % haben in der Testung nicht die vorgeschriebenen Virusnormen erreicht und mussten zu Zertifiziertem Pflanzgut abgestuft werden.

Betroffen von Aberkennungen sind 669 Vermehrungsvorhaben von 147 Sorten bzw. Stämmen. Wie die Tabelle 2 zeigt, handelt es sich dabei nicht mehr nur um Sorten mit hoher Y-Virusanfälligkeit, sondern zunehmend auch um Sorten mit zwar geringer Y-Anfälligkeit, dabei aber hoher Blattroll-Virus-Anfälligkeit. In den letzten Jahren hat das Blattrollvirus immer mehr an Bedeutung gewonnen. Während in 2019 nur in 7,8 % aller Virusproben in der Anerkennung das Blattrollvirus nachgewiesen werden konnte, stieg dieser Wert stetig, bis auf einen leichten Rückgang in 2023, auf 61,8 % in 2025 an. Während in 2024 wegen Blattrollvirus (als alleiniges Virus) 128 Vermehrungsvorhaben aberkannt wurden, waren es in 2025 bereits 436 Vermehrungsvorhaben. Wesentliche Ursache der Zunahme von Blattrollvirus sind die deutlich eingeschränkten Möglichkeiten eines zielgerichteten Insektizid Einsatzes gegen Blattläuse.

 

Ökologische Vermehrungen unterliegen denselben Anforderungen wie konventionelle Vermehrungen
Ökologische Vermehrungen unterliegen denselben Anforderungen wie konventionelle VermehrungenEric Preuß
Wie sieht es bei den ökologisch erzeugten Pflanzkartoffeln aus?

Von politischer Seite wird in Niedersachsen angestrebt, die ökologisch bewirtschaftete Fläche bis 2025 auf 10 % und bis 2030 auf 15 % auszudehnen. Deshalb ist auch mit einer Flächenausdehnung im Bereich ökologisch erzeugter Pflanzkartoffeln zu rechnen. Wobei auch hier letztendlich der Markt und die Nachfrage entscheidend für die Anbaufläche sind.

 

2021 betrug der Anteil an ökologisch erzeugten Pflanzkartoffeln 4,0 % (319 ha von 7.910 ha Gesamtvermehrungsfläche) und 2022 waren es 4,5 % (342 ha von 7.578 ha Gesamtvermehrungsfläche). Trotz starkem Rückgang der Pflanzkartoffelvermehrungsfläche in 2023 wurde die Fläche für ökologisch erzeugte Pflanzkartoffeln weiter ausgedehnt und betrug 6,1 %, entsprechend 407 ha (von 6.709 ha Gesamtvermehrungsfläche). Auch in 2024 fand eine leichte Ausdehnung dieser Vermehrungsfläche auf 423 ha statt. Dies entsprach allerdings einem leichten Rückgang des Anteils an der Gesamtvermehrungsfläche von 7.423 ha auf 5,7 %.

Bei einer Gesamtvermehrungsfläche von 8.191 ha in 2025 betrug der Anteil an ökologisch erzeugten Pflanzkartoffeln mit einer Fläche von 465 ha wiederum 5,7 %. Damit wurden sowohl die konventionelle als auch die ökologische Vermehrungsfläche um ca. 10 % ausgedehnt. Bei den insgesamt 57 auch ökologisch vermehrten Sorten handelt es sich hauptsächlich um Speisesorten aller Reifegruppen mit dem Schwerpunkt im mittelfrühen Bereich (Tabelle 3).

 

Die gesamte angemeldete Vermehrungsfläche von 465 ha hat die Feldbestandsprüfung erfolgreich durchlaufen. Hiervon wurden 226 ha in der Virustestung wegen Überschreitung der Mindestnorm aberkannt. Dies entspricht einer Aberkennungsrate von 48,7 %. Die Aberkennungsquote ist im ökologischen Bereich vor allem deshalb höher, weil gerade hier Speisesorten mit hoher Anfälligkeit gegen Y-Virus oder Blattrollvirus vermehrt werden.