Anerkennungsstelle für Saat- und Pflanzgut

Beginn der Feldbesichtigung bei Winterölfrüchten der Ernte 2023

Webcode: 01041127

Winterraps und Winterrübsen müssen bereits im Herbst zur Anerkennung für die Ernte 2023 angemeldet werden. Denn alle Feldbestände müssen bereits jetzt im Herbst einmal besichtigt werden und dabei die Anforderungen erfüllen, die sich vor Winter prüfen lassen.

Vermehrung von Hybridraps erfolgt in Einzelkornsaat
Vermehrung von Hybridraps erfolgt in EinzelkornsaatEric Preuß
Die Feldbesichtigung der Winterölfrüchte beginnt ab 24. Oktober 2022. Bei Populationssorten (Liniensorten) sind mindestens zwei Feldbesichtigungen erforderlich, wovon eine im Herbst stattfindet, die zweite folgt dann zur Blüte im Frühjahr. Nach der Herbst-Besichtigung kommen noch drei weitere Besichtigungen hinzu, wenn es sich um Hybriden handelt: nämlich eine zu Beginn der Blüte, eine zur Vollblüte und eine nach der Blüte zur Kontrolle des Schlegeltermines der Vaterlinie.

Worauf ist zu achten?

Jeder Vermehrungsschlag muss zur eindeutigen Identifizierung ein Schild mit den erforderlichen Angaben aufweisen: Fruchtart, Sorte, Größe und Bezeichnung des Schlages, beantragte Kategorie sowie Name und Anschrift des Vermehrers sind auf dem Schild zu nennen. Bei fehlender Beschilderung muss eine Nachbesichtigung erfolgen. Zur Vermeidung von Fremdbefruchtung sind folgende Mindestabstände zu Beständen derselben Fruchtart einzuhalten: bei Hybrid-Sorten von Raps (männlich sterile Mutterlinie) 500 m bei Vorstufen-/Basissaatgut sowie 300 m bei Z- Saatgut; bei Linien-Sorten 200 m bei Vorstufen-/Basissaatgut sowie 100 m bei Z-Saatgut. Bei Winterrübsen betragen die Mindestabstände 200 m bei Z- und 400 m bei Basis-Saatgut. Die Einhaltung dieser Mindestabstände wird vom Feldbesichtiger ebenso überprüft wie die saubere Abtrennung zu sonstigen Mähdruschfrüchten. Vermehrungen von Hybridsorten sind im Streifen-Anbau angelegt: es wechseln breitere Streifen von Mutterpflanzen mit schmaleren Streifen von Vaterpflanzen; hier muss die Trennreihe zwischen Vater- und Mutterlinie mindestens 80 cm bzw. die doppelte Reihenweite bei Einzelkornsaaten betragen. Gleichermaßen muss dieser Abstand auch zum Vorgewende und ggf. zu einem keilförmig verlaufenden Schlagteil eingehalten sein, auch damit jegliche Sorten- bzw. Linienvermischungen zur Ernte ausgeschlossen werden können. Sind nur Teilbereiche der Fläche für die Vermehrung geeignet, muss die Abtrennung des Vermehrungsteiles vor der ersten Besichtigung erfolgen. Hier muss die Abtrennung mindestens 40 cm betragen. Zur Risikoverminderung kann aber der gesamte Schlag zur Vermehrung angemeldet werden; die Abtrennung mit „Zurücknahme“ eines Teils der Fläche erfolgt dann im Frühjahr vor der zweiten Besichtigung. Weitere Details zur Anlage der Vermehrungen finden sich in den Richtlinien zur Feldbesichtigung bzw. den regelmäßig versendeten Rundschreiben (siehe auch unter www.AG-AKST.de, dort unter Niedersachsen). Erforderliche Nachbesichtigungen sind gebührenpflichtig.

Ölrettich in Hybrid-Winterraps-Vermehrung
Ölrettich in Hybrid-Winterraps-VermehrungEric Preuß
Der Feldbesichtiger achtet insbesondere auf bestimmte Unkräuter oder andere Pflanzenarten, deren Samen sich vom Raps- bzw. Rübsen-Saatgut nur schwer unterscheiden lassen bzw. auf solche, deren Samen sich schwer herausreinigen lassen. Dazu gehören zum Beispiel Schwarzer Senf, Weißer Senf, Sareptasenf und Ackersenf sowie Ölrettich, Futterkohl, Stoppelrübe und außerdem Klettenlabkraut und kleinsamige Wickenarten wie viersamige Wicke, rauhaarige Wicke, schmalblättrige Wicke. Für diese Arten dürfen festgelegte Grenzwerte in den Auszählungen nicht überschritten werden.

 

 

Ackersenf in Hybrid-Winterraps-Vermehrung
Ackersenf in Hybrid-Winterraps-VermehrungEric Preuß
Abweicher bereits im Herbst selektieren
Aufgrund der Bestandesentwicklung im Herbst lassen sich Pflanzen, die sich zum Beispiel in der Bereifung oder Lappung von der vermehrten Sorte unterscheiden, sogenannte Abweichende Typen, hervorragend nun vor Winter mit vergleichsweise geringem Aufwand beseitigen. Gleiches gilt auch für bodenbürtige Verunreinigung mit Rübsenpflanzen in einer Rapsvermehrung oder umgekehrt. Diese lassen sich aufgrund ihres Habitus gut voneinander unterscheiden; bei feuchter Witterung oder Taubildung zeigen die Rapspflanzen abperlendes Wasser in ausgeprägter Form im Gegensatz zu den Rübsen. Hinsichtlich der Sortenreinheit darf der Feldbesichtiger in seinen Auszählungen im Durchschnitt maximal 5 abweichende Typen bei Vorstufen- bzw. Basis-Vermehrungen und 15 abweichende Typen in Z-Vermehrungen vorfinden, ansonsten gilt der Bestand als ohne Erfolg feldbesichtigt und das Verfahren kann nur nach erfolgreicher Bereinigung und nachfolgender Nachbesichtigung fortgesetzt werden.

Wurde die Herbstbesichtigung erfolgreich abgeschlossen wird i.d.R. mit Beginn der Blüte das Verfahren fortgesetzt. Hier stehen dann erneut die Sortenreinheit und zusätzlich bei Hybridsorten die Überprüfung der Sterilität bzw. Fertilität im Vordergrund. Datenerfassung und -übermittlung bei der Feldbestandsprüfung erfolgen mit Hilfe von Smartphones. Damit erhalten Züchter, Vertriebsfirmen und (i.d.R. auch) Vermehrer die Mitteilungen über die Feldbesichtigungs(teil)ergebnisse umgehend per Email an Stelle früherer Papier-Post. Jeder Verfahrensbeteiligte kann zusätzlich die Ergebnisse seiner Vermehrungen im Internet-Bereich der LWK, konkret unter www.SaPlus.org aktuell einsehen und in komfortabler Form herunterladen.

Kontakte

Dipl.-Ing. agr.
Dr. sc. agr. Matthias Benke

Leiter Anerkennungsstelle für Saat- und Pflanzgut

0511 3665-4370

0152 5478 2474

matthias.benke~lwk-niedersachsen.de



Eric Preuß

Anerkennung von Saat- und Pflanzgut

0511 3665-4353

01525 4782 173

eric.preuss~lwk-niedersachsen.de

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